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| Kommunalwahlkampf 2004 im nordrhein - westfälischen Ahlen |
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Vorwort
Ähnlichkeiten zwischen der Situation in Ahlen und Werlte sind rein zufällig und nicht konstruiert. Sollte
sich jemand mit der einen oder anderen Person aus Ahlen identifizieren, so ist dies sein eigenes Problem. Die Redaktion
übernimmt keine Haftung für Schäden, die durch solche willkürlichen Vergleiche entstehen.
Die Situation
In angelsächsischen Ländern ist das untere Drittel längst aus den Wählerlisten verschwunden. Es
liest keine Zeitung mehr, sieht keine 'seriösen' TV - Sendungen und nimmt am Gesellschaftsleben nicht teil.
Politik, Macht und Geld sind Sache der oberen 2 Drittel.
Die Arbeiter schimpfen und enthalten sich, die Jungen gehen oder wählen rechts. [...] Es geht um den Zerfall des
Sozialstaats, der sozialen Milieus und ihrer polischen Agenten, SPD und Gewerkschaften. Übrig bleiben das neue
Kleinbürgertum und seine politischen Kriegsgewinnler, eine Rumpf - SPD, eine verlassene Jugend und viele Fragen.
Der Ort
Ahlen bei Hamm, 55.000 Einwohner, von der Bahnlinie geteilt in ein katholisch - konservatives, münsterländisches
'Bürgerstädtchen' mit Altstadt und viel Grün im Norden, und ein Stück 'Revier' im Süden,
industiell geprägt von Kohle und Stahl, mit Zechenkolonie und Zeche, mit grossen mittelständischen
Metallbetrieben und hässlichen Gewerbegebieten.
Das verschlafene Städtchen erlebte ab 1914 mit Kohle, Stahl und Emaille einen industriellen Boom. Politisch
tiefschwarz, wurde es in den 70ern und 80ern zur Arbeiterhochburg: Bis 1999 regierten IG BCE und SPD mit
gesellschaftlicher und politischer Mehrheit. [...]
Dann der doppelte Schock: Begünstigt vom Bundestrend schlug ein CDU - Ordnungsdezernent aus Cloppenburg zu aller
Erstaunen den SPD - Bürgermeister.
Kaum zwei Jahre später schloss die Zeche, seither ist die Stimmung mies. Noch immer hängen bei Bergbau -
Frührentnern die Demo - Bilder: 'Erst stirbt die Zeche, dann die Stadt.' Die Stadt starb nicht, aber kümmerte
vor sich hin, die Kaufkraft sank, die Fussgängerzone wurde zur Billigmeile, Kino und Disco machten zu, usw. [...]
Unternehmerstarrsinn, zu geringe Produktvariabilität und Qualifikation der Beschäftigten liessen einen Metall -
Betrieb nach dem anderen sterben, zuletzt im Frühjahr 2004 BLOMBERG. [...] So liegt die Stimmung über der
Stadt: Hier ist der Hund begraben.
Der Kandidat
Das wollte der Kandidat ändern. 'Ideenreich und lösungsstark' trat der 42 - jährige Chefredakteur einer
bundesweiten Monatszeitschrift für Kommunalpolitik an. Ende 2003 baten ihn SPD - Generalsekretär und der
Geschäftsführer der SGK in Nordrhein - Westfalen: Guck Dir mal Ahlen an.
Gesagt, getan. Der Intellektuelle mit Revier - Hintergrund - Dortmunder Eltern - fühlte sich auf Anhieb wohl unter
rauhen, aber herzlichen Westfalen. Anstatt weiter die zu beraten, die schon alles wissen, bot er nach sieben Jahren
Berliner Politik einer Stadt sein Wissen, seine Erfahrungen und Kontakte an.
Mit hohem Einsatz: Ab Ende 2003 war er jedes Wochenende da, am Ende ganze Wochen, 70 Fahrten. Zwölf - bis Vierzehn -
Stunden - Tage trotz Chefredakteursjob.
Die Partei
Erster Eindruck: Die Atmosphäre ist laut, direkt, herzlich. Keine Theoriedebatten, keine Hinterzimmerintrigen. Hier
wird Politik noch handgemacht. Ohne grosse Konzepte und wenig verbindlich. Die Fraktion ist die Partei und in beiden
sind viele Frührentner aktiv, Ex - Bergleute, Traditions - SPD, kaum Bildungsbürger. [...]
Die Politik machen seit vielen Jahren dieselben Leute, in fünf Jahren Opposition haben sie kaum Profil entwickelt,
wenig im Wahlkreis getan. Da sie selbst wenig überzeugt sind, überzeugen sie andere nicht. [...] Der
Fraktionschef ist der Boss, Geschäftsführer und grösster Ortsvereinschef sind gute Kumpel von ihm.
Die Spitze besetzt verbliebene Posten und delegiert zu selten, die zweite Reihe sitzt in den Ausschüssen, geht
lieber in 'eigene' Vereine und schimpft über schlechte Wiedergabe in der schwarzen Presse. Bei der Ratsnominierung
liessen die Ortsvereine Junge, Lehrer, Frauen, Türken einfach 'links' liegen.
Lesen Sie weiter:
| 2 | Der Kommunalwahlkampf 2004 in Ahlen
| 3 | Ausblick für Ahlen und die Bundes - SPD
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14.11.04 - Quelle: Frankfurter Hefte, Autor Stefan
Grönebaum
Original - Titel: Erst stirbt die Zeche, dann die SPD
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