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Holocaust - Gedenktag ist kein leeres Ritual
Kulturstaatsministerin Christina Weiss unterstreicht in einem Beitrag für die 'Jüdische Allgemeine Wochenzeitung' die Bedeutung des heutigen Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus.

'Gelegentlich wird in der Öffentlichkeit der Eindruck erweckt, der 'Holocaust - Gedenktag' (eigentlich 'Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus') sei nichts weiter als ein leeres Ritual.

Folgte man dieser Behauptung, ergäbe sich daraus die Frage: Sollen wir auf den Gedenktag verzichten, nur weil wir seine Ritualisierung fürchten? Die Antwort kann nur ein entschiedenes 'Nein' sein. Denn das zu verhindern liegt doch in unserer Hand!

Denn was sind in diesem Prozess mit historischen Dimensionen von Generationen schon 8 Jahre, die seit der Anregung Roman Herzogs vergangen sind, künftig den Tag der Befreiung von Auschwitz als Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus zu begehen?

Wenn sich nun das Gedenken auf diesen einen Tag fokussieren, ja reduzieren sollte, wäre er in der Tat nur ein wohlfeiles Alibi für die Hilflosigkeit im Umgang mit unserer schwierigen Geschichte.

Diesen Tag verstehe ich vielmehr als einen Katalysator, der gesellschaftliche und öffentliche Prozesse anregt bzw. am Leben erhält. Von ihm aus und auf ihn hin sollte der Klärungsprozess darüber geführt werden, wie wir mit unserer komplizierten Geschichte umgehen, auch mit unserer Verantwortung gegenüber den Opfern des Nationalsozialismus.

Und selbst die Auseinandersetzung um den Sinn des Gedenktages ist ein Aspekt dieses Prozesses. Dieser Gedenktag sollte Anlass sein, über einige Fragen neu nachzudenken:

Mit der wachsenden biografischen Distanz der nachgeborenen Generationen zum historischen Ereignis, aber auch mit einem zunehmenden Migrationshintergrund in unserem Land sowie mit der Entstehung eines gesamteuropäischen Kulturraumes erhebt sich auch die Frage nach der 'Zukunft der Erinnerung'.

Dabei geht es mir beispielsweise auch um die Weiterentwicklung der politisch - kulturellen Bildung, um eine 'künftige Didaktik der Menschenrechte anhand ihrer Verletzung', wie es Micha Brumlik, Direktor des Fritz - Bauer - Instituts in Frankfurt / Main, formuliert.

In diesen Kontext eingefügt, gerät der Gedenktag nicht in den Verdacht eines alibihaften Betroffenheitsrituals - hat er doch ein grosses konstruktives Potential.

28.01.04 - Bundesregierung
 
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