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Deutsche verdienen zu wenig
Inzwischen hat es sich herumgesprochen: Deutschland befindet sich vor allem deshalb in der Krise, weil die Deutschen zu wenig ausgeben. In keinem anderen Land der Europäischen Union ist die Binnenkonjunktur derart schwach. Der Konsum stagniert bereits im vierten Jahr. Im Vergleich zum Vorjahr sank er 2004 sogar um 0,3 Prozent (Handelsblatt, 14.01.05).

Zwar ist das Wachstum im Jahr 2004 auf 1,7 Prozent angezogen. Allerdings ist das angesichts des Booms der Weltwirtschaft relativ gering. Deutschland hat im weltweiten Vergleich die schwächste wirtschaftliche Entwicklung (Statistisches Bundesamt).

Wundern braucht man sich darüber nicht. Eine Politik der sozialen Kürzungen führt dazu, dass die Menschen mit Ausgaben zurückhaltend sind. Und die Lohnentwicklung ist unter dem Druck von Entlassungen nicht so, wie sie sein könnte und müsste. Das Einkommen der Deutschen ist im Vergleich zum Vorjahr um real 0,2 Prozent geschrumpft (Statistisches Bundesamt).

Dazu kommt: aus Angst vor weiteren Kürzungen und Entlassungen sparen die Deutschen wie in kaum einem anderen Land. 'Angstsparen' nennen das die Ökonomen. Von 100 Euro sparten die Deutschen im vergangenen Jahr 10,90 - so viel wie seit 1995 nicht mehr. In den USA liegt die Sparquote unter 2 % (Welt, 14.01.05).

Pro - Kopf - Einkommen: Deutsche auf Platz 18
Einer aktuellen OECD - Untersuchung zufolge liegt Deutschland beim Pro - Kopf - Einkommen von 42 untersuchten Ländern nur noch auf Platz 18 (Financial Times Deutschland, 12.01.05). Länder wie Norwegen, Irland, Dänemark, Österreich, Belgien sind deutlich vorn. Diese haben in den vergangenen Jahren auch ein höheres Wachstum gehabt als Deutschland.

Einkommen der Beschäftigten seit 1990 gesunken
Im Vergleich zu 1990 sind die Einkommen der abhängig Beschäftigten heute um ein Prozent niedriger. Dagegen stiegen die Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen abzüglich der Inflation um 40 Prozent. Vom gesamten Wirtschaftswachstum der letzten 15 Jahre, preisbereinigt immerhin 270 Mrd. Euro jährlich, haben die Arbeitnehmer nichts gesehen (Tagesspiegel, 10.10.04).

Dennoch versuchen immer mehr Arbeitgeber, die Löhne ihrer MitarbeiterInnen zu drücken. Daimler / Chrysler ist nur ein besonders unrühmliches Beispiel. Dabei hat das Unternehmen seinen Jahresüberschuss im Jahr 2004 gegenüber dem Vorjahr fast verfünffacht (taz, 12.01.05)

Die Konzerne sind im Gewinnrausch
Die Gewinne der Unternehmen wuchsen 2004 um mehr als ein Zehntel auf 493 Mrd. Euro, während das Arbeitnehmerentgelt mit 1.132 Mrd. Euro auf dem Stand des Vorjahres stagnierte. (FR, 14.01.05). Bei den börsennotierten Konzernen herrscht sogar ein regelrechter Gewinnrausch. Für 2005 dürfen sie den Prognosen zufolge mit einem Plus von gut 20 % rechnen.

Dabei haben sie schon 2004 so viel verdient wie nie zuvor. Die DAX - Unternehmen verdienten gar 70 Prozent mehr als im Vorjahr (taz, 12.01.05). Und auch die Manager profitieren. Der Deutsche - Bank - Chef Josef Ackermann bekommt 7,7 Mio. Euro pro Jahr. Daimler - Chrysler - Chef Jürgen Schrempp folgt mit 5,2 Mio. (Quelle: DSW).

In einigen Unternehmen sind die Bezüge des Vorstands und deren Vorsitzenden innerhalb von fünf Monaten um mehr als 400.000 bzw. 800.000 Euro gestiegen. Im gleichen Unternehmen wurden den Beschäftigten Lohnkürzungen bis zu 20 Prozent zugemutet (Berliner Morgenpost, 29.12.04). Ackermann war es übrigens, der 2.500 Stellen strich, um die Eigenkapitalrendite der Bank von derzeit 19 auf 25 Prozent zu heben. 25 Prozent!

Regierungsbericht: Ungleichheit nimmt zu
Ein Regierungsbericht vom Dezember 2004 zeigt: Die Ungleichheit nimmt weiter zu. Besserverdienern geht es immer besser, Armen schlechter. 'Das Armutsrisiko hat bei den meisten Gruppen zwischen 1998 und 2003 zugenommen', heisst es in dem Bericht - im Schnitt von 12,1 auf 13,5 Prozent.

Als arm gilt, wer weniger als 60 Prozent des alterstypischen Durchschnittsnettoeinkommens hat. Dagegen verfügen 10 Prozent der Haushalte über 47 Prozent des Nettovermögens von fünf Billionen Euro. Rein rechnerisch verfügt jeder Haushalt über ein Durchschnittsvermögen von 133.000 Euro.

Steuerpolitik verschärft Ungleichheit
Zu dieser Ungleichheit trägt auch die Steuerpolitik bei. Die Senkung des Spitzensteuersatzes durch die rot - grüne Regierung von 48,5 auf 42 % kostet sechs Mrd. Euro jährlich. Davon, so rechnet Harald Schumann vom Tagesspiegel vor, 'könnten 100.000 Lehrer bezahlt und obendrein 16.000 marode Schulen mit einer Mio. Euro jährlich saniert werden'.

'Der Staat wird gezielt verarmt'
Der Staat werde gezielt verarmt, schrieb Stern - Autor Arno Luik im Oktober 2004. Vor 40 Jahren kamen 20 % des Steueraufkommens aus Gewinn- und Vermögenseinkommen, heute sind es noch 6 %. 1983 trugen Körperschafts- und Einkommensteuer 14 Prozent zum Steueraufkommen bei, heute nur noch 2,3 Prozent.

Diese beiläufige Steuersenkung, so Luik, habe allein von 2001 bis 2003 zu Einnahmeausfällen von mehr als 50 Mrd. Euro geführt. Gleichzeitig spart der Staat mehrere Mrd. Euro bei den ehemaligen Empfängern der Arbeitslosenhilfe ein, veranlasst Praxisgebühren, die die BürgerInnen im Jahr 2004 über eine Mrd. Euro gekostet haben und führt Ein - Euro - Jobs ein.

Ob das wirklich so sein muss?

16.01.05 - Quelle: DGB
 
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