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Arbeitszeitverlängerung ist der falsche Weg
Wir arbeiten zu kurz, heisst es. Arbeitszeitverlängerung soll Wachstum, Arbeit und Wohlstand bringen, sagt man - und vergisst, dass heute schon Millionen Menschen ohne Arbeit sind.

Wir setzen dagegen: Arbeit ist nicht alles. Das Leben bietet mehr, Partnerschaft, Familie und Freundschaften, Sport, Kunst, Bildung und Reisen, Geselligkeit und Unterhaltung.

Dazu brauchen wir Zeit, verlässliche Zeit jenseits der Arbeit, ohne Weisungen und Abhängigkeit; Zeit, um zu uns selbst zu finden. Und Zeit für partnerschaftliche Arbeitsteilung zu Hause und in der Familie, statt diesen Teil der Arbeit allein den Frauen aufzubürden.

Freie, selbstbestimmte Zeit ist Teil unseres Wohlstands. Den haben wir erarbeitet. Jahr für Jahr geht uns die Arbeit schneller von der Hand, dank neuer Technik und Steigerung der Produktivität.

Was also liegt näher, als diesen Fortschritt auch fortschrittlich zu nutzen? Zur Mehrung des Zeitwohlstandes, sei es durch früheren Feierabend, kürzere Arbeitswochen, sei es durch längere Freizeit und Sabaticals nach intensiven Arbeitsphasen.

Die Gewerkschaften haben, seit es sie gibt, um kürzere Arbeitszeiten geworben, mitunter auch gekämpft. Ihre Erfolge kommen uns allen zugute; erst recht in Zeiten der Arbeitslosigkeit.

Wir wollen nicht, dass immer mehr Menschen ohne Arbeit sind und ausgegrenzt werden, solange es nicht gelingt, den Produktivitätsfortschritt für kürzere Arbeitszeiten zu nutzen; da verkehrt sich Fortschritt in sein Gegenteil.

Deshalb wenden wir uns gegen die Forderungen nach Arbeitszeitverlängerungen, sei es im öffentlichen Dienst der Länder oder sei es in Betrieben und Verwaltungen der Industrie, der Medienwirtschaft und der privaten Dienstleistungen.

Wir wenden uns gegen die Arbeitszeitverlängerung durch die Ministerpräsidenten der Länder, die den öffentlichen Dienst zum Vorreiter einer allgemeinen Arbeitzeitverlängerung machen wollen.

Wir stimmen denen nicht zu, die eine Verlängerung der Arbeitszeiten zur vermeintlichen Grundvoraussetzung wirtschaftlichen Wachstums erklären.
  • Längere Arbeitszeiten reduzieren die vorhandene Arbeit auf weniger Köpfe und Schultern, so dass noch mehr Menschen arbeitslos werden.

  • Längere Arbeitszeiten fördern die alte Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern und erschweren eine gleichberechtigte Verteilung von Erwerbs- und Familienarbeit zwischen Männern und Frauen.

  • Längere Arbeitszeiten erhöhen die Arbeitsbelastung der Betroffenen und beeinträchtigen ihre Lebensqualität.
Wir appellieren an Unternehmer/innen und Politiker/innen: Geben Sie Ihre Position auf - denn Arbeitszeitverlängerung ist der falsche Weg.

29.06.04 - Quelle: DGB
 
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