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| Autozulassung - Anmeldung mit Hindernissen |
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Montag, 19. April
Schon um 6:58 Uhr trifft Lagerist Erwin B. in der Kraftfahrzeug - Zulassungsstelle Burgdorf Weststadt ein,
wo der Schalterbetrieb um 8 Uhr beginnt. Seine Pünktlichkeit wird nicht belohnt. 262 Mitbürger
waren schneller.
9:06 Uhr
Durch das Spalier der schwitzenden Warteschlange - Sitzplätze gibt es nur 16 - bahnt sich
Amtsinspektor Alfred Köppel mit eisiger Miene seinen Weg zur Öffnung der Büroräume. Der
seit halb sechs wartenden Nummer 3 der Warteschlange, raunt Köppel nach einem flüchtigen Blick
auf dessen Dokumente, noch ein nachsichtiges 'Nutzfahrzeuge Nachmittags!' zu und verschwindet in seinem
Büro.
9:28 Uhr
Aufruf des Antragstellers Nummer eins, der auf dem Gelände übernachtet hatte.
9:29 Uhr
Antragsteller Nummer eins verlässt als gebrochener Mann den Amtsraum. Die Zündschlüssel
für sein Fahrzeug werden später zusammen mit einem Abschiedsbrief und einer ungültigen ASU -
Bescheinigung am Ufer des Irenensees gefunden.
11:38 Uhr
Der maschinelle Stempel auf Erwin B.s Versicherungsdoppelkarte wird von Amtsinspektor Köppel als
mögliche Fälschung moniert. Beim Versuch, unanfechtbaren Ersatz zu beschaffen, wird Erwin B. auf
dem Weg zur Versicherungsagentur wegen überhöhter Geschwindigkeit in einem nicht zugelassenen
Fahrzeug vorläufig festgenommen.
Donnerstag, 22. April
Nach einer unruhigen Nacht vor dem Hauptportal des Strassenverkehrsamtes, in der Erwin B. immerhin auf
Platz fünfzehn vorstossen konnte, sickert durch, dass Donnerstags neuerdings nur noch Krafträder
bis 500 ccm, sowie landwirtschaftliche Zugmaschinen mit ungeradem Baujahr bearbeitet werden.
Freitag, 23. April
Gegen 12:07 Uhr gelingt Erwin B. überraschend der Vorstoss an den Schreibtisch von Amtsinspektor
Köppel. Der vorherige Antragsteller musste das Zulassungsverfahren für seine nicht mehr
fabrikneue Borgward Isabella nach 40 Jahren vorzeitig abbrechen, weil Neuwagen ohne Katalysator nicht mehr
zugelassen werden. Da die Antragsfrist werktags um 12 Uhr endet, kommt es nur noch zu einer mürrischen
Begrüssung zwischen Erwin B. und Köppel und dem Verweis auf die Bürozeiten der nächste
Woche. Erwin B. beschliesst, diesmal alle anderen Antragstellern zuvor zu kommen.
Montag, 26. April
Nach einem tristen Wochenende im engen Garderobenschrank der Amtsräume hat Erwin B. an Startnummer
eins kein Glück. Der bestens ausgeruhte Amtsinspektor erkennt auf einen Blick die nachlässige
Entgratung der Bohrlöcher auf den alten Nummernschildern, sowie das teilweise unleserliche Datum auf
der Abmeldebescheinung. Zu allem Unglück fällt Köppel über eine gravierende
Unregelmässkeit in den Antragsdokumenten. Erwin B.s kürzlicher Umzug vom Önkelstieg 31 nach
31b gehe aus den letzten ASU - Berichten nicht hervor. Aus einer menschlichen Regung heraus verzichtet
Köppel zwar auf Strafverfolgung dieser Tatbestände, muss den Antrag natürlich dennoch
ablehnen.
Dienstag, 27. April, 7:17 Uhr
Amtsleiter Köppel lehnt unter Hinweis auf das fehlende polizeiliche Führungszeugnis des
Vorbesitzers, sowie die verjährte Unbedenklichkeitsbescheinigung für die selbstklebende
Parkmünzbox, den gesamten Zulassungsantrag erneut ab.
7:31 Uhr
Drei entsicherte Eierhandgranaten mit gültiger Nato - Prüfplakette rollen vom Hauptportal
kommend mit hohlem Geräusch durch den sorgsam gebohnerten Flur der Kraftfahrzeugzulassungsstelle.
Vier Sekunden später erschüttert eine gewaltige Detonation den historischen Marktplatz.
7:54 Uhr
Das Strassenverkehrsamt Burgdorf ist nicht mehr. Aus rauchenden Trümmern befreien sich verwirrte
Menschen ohne Hoffnung. Antragsteller, wie Du und ich, die nur mal ein Kraftfahrzeug anmelden wollten.
19.04.04 - Quelle: Netzfundstück, Autor unbekannt
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