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| Tschernobyl mahnt - 20 Jahre nach der Katastrophe |
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Am 26. April 1986 ereignete sich im Block 4 des Atomkraftwerkes Tschernobyl in der Ukraine die grösste
Reaktorkatastrophe der Geschichte. Dadurch kam es zu einer massiven Freisetzung von radioaktivem Material in die
Umwelt.
Besonders betroffen waren Gebiete in Belarus, Russland und der Ukraine. Eine radioaktive Wolke verteilte die
Substanzen aber auch über weite Teile Westeuropas. Insgesamt wurde eine Fläche von mehr als 200.000
Quadratkilometer kontaminiert.
Auch weite Teile Süd- und Ostdeutschlands waren betroffen. Die Angst vor den Folgeschäden der
Strahlenexposition führte zu einer starken Verunsicherung in der Bevölkerung.
350.000 Menschen verloren durch die Reaktorkatastrophe ihre Heimat. 200.000 bis 800.000 Menschen wurden als so
genannte Liquidatoren beim Bau einer Beton- und Stahlummantelung - dem so genannten Sarkophag - zur Abschirmung des
Unglücksreaktors und zu Aufräumarbeiten eingesetzt.
Die Zahl der Opfer ist bis heute umstritten. Sie schwankt zwischen 4.000 laut Tschernobyl - Bericht der
Internationalen Atomenergie - Organisation, über 30.000 bis 60.000 laut einer Studie der britischen
Strahlenbiologin Ian Fairlie bis hin zu 50.000 bis 100.000 Todesopfern laut einer Studie der Organisation
Internationale Ärzte gegen den Atomkrieg.
Die wirtschaftlichen Folgekosten der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl werden auf mehrere hundert Milliarden US -
Dollar geschätzt.
Wir haben mit der Novelle des Atomgesetzes 2001 im Konsens mit der Energiewirtschaft den Ausstieg aus der Atomenergie
in Deutschland durchgesetzt Der Atomkonsens steht für uns nicht zur Disposition. Der Koalitionsvertrag gilt.
Eine Verlängerung von Restlaufzeiten und die Übertragung von Reststrommengen von neuen auf alte
Atomkraftwerke lehnen wir ab.
Den betroffenen Menschen, die noch heute unter den Folgen der Reaktorkatastrophe leiden sprechen wir unser
Mitgefühl aus. Wir werden sie auch weiterhin bei der Bewältigung der medizinischen, ökonomischen und
sozialen Folgen der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl unterstützen.
Nach: Swetlana Alexijewitsch, Tschernobyl. Eine Chronik der Zukunft, Berlin 1997
Nikolai Kalugin lebte mit seiner Familie in Pripjat, unweit des Unglücksreaktors von Tschernobyl. Kurz nach der
Katastrophe wird die Familie evakuiert. Mitnehmen darf sie nichts. Doch eine Sache kann Nikolai Kalugin nicht
zurücklassen: die Haustür seiner Wohnung.
Die Tür, auf der nach alter Tradition die Toten aufgebahrt werden, auf der seit Generationen das Wachstum der
Kinder Jahr für Jahr mit einer Einkerbung dokumentiert wird. Nikolai Kalugin hat es geschafft. Mit Hilfe seines
Nachbarn hat er seine Tür an den Sicherheitskontrollen vorbei aus der Stadt gebracht.
Der Vater Nikolai Kalugin hat seine Tür noch gebraucht. Einkerbungen musste er nicht mehr machen.
26.04.09 - Quelle: SPD Bundestagsfraktion
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