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| Ehrenmord: Aufklärung + Betreuung statt Ausweisungsdrohung |
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Anlässlich des Urteils im so genannten 'Ehrenmord - Prozess' erklärt die zuständige Berichterstatterin
der Arbeitsgruppe Familie, Senioren, Frauen und Jugend der SPD - Bundestagsfraktion, Angelika Graf:
Das Urteil setzt das deutliche Signal, dass ein falsch verstandener Ehrbegriff keine Rechtfertigung für eine
Straftat sein kann. Wenn wir so genannte 'Ehrenmorde' wirksam bekämpfen wollen, dann ist eine Diskussion
über rechtlich fragwürdige Ausweisungsdrohungen nicht der richtige Weg.
Stattdessen müssen wir die Integration stärken und vor allem eine verstärkte und zielgruppengerechte
Aufklärungsarbeit leisten. Dabei ist klarzustellen, dass menschenverachtende Ehrbegriffe in unserer Gesellschaft
selbstverständlich nicht akzeptiert sind.
Auch Zwangsheirat ist ein Ausdruck von Gewalt in Familien. Aufklärung sowie eine bessere Opferbetreuung und der
Ausbau von Beratungsmöglichkeiten sind die Kernpunkte beim Kampf gegen Zwangsverheiratungen.
Vor allem müssen die Migrantencommunities selbst in die Aufklärungsarbeit eingebunden werden. Ein
stärkeres Bewusstsein darüber, was die jungen Frauen und Männer, die in die Ehe gezwungen werden,
durchleben, wird auch die Bereitschaft fördern, mit dieser Praxis zu brechen.
Auch muss diskutiert werden, wie ins Ausland zwangsverheiratete, so genannte 'Exportbräute' wieder nach
Deutschland zurückreisen können. Zur Zeit erlischt die Rückkehrmöglichkeit bereits nach einem
halben Jahr.
In dieser Zeit können die Betroffenen, die in der neuen Familie zumeist unter ständiger Beobachtung stehen,
es kaum schaffen sich selbstständig zu befreien.
Die vorherige Bundesregierung hat einen ersten wichtigen Schritt getan, als wir Zwangsverheiratung als besonders
schweren Fall der Nötigung ins Strafgesetzbuch (§ 240 IV S.2 Nr. 1 StGB) übernommen haben.
Damit wurde ein deutliches Signal an die familiären Vermittler der erzwungenen Ehe gesetzt. Jetzt müssen
wir aber am richtigen Ende weitermachen - und uns nicht mit Placebos zufrieden geben.
20.04.06 - Quelle: SPD Bundestagsfraktion
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