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Abstieg in die zweite Liga
Renteneinkommen der heutigen Rentenbezieher
Nach den Landtagswahlen in Baden - Württemberg, Rheinland - Pfalz und Sachsen - Anhalt beginnt die Zeit der Grausamkeiten. Nicht nur in der Gesundheitspolitik müssen sich die BürgerInnen auf zusätzliche Belastungen einstellen, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) inzwischen in aller Offenheit angekündigt hat, sondern auch bei der Rente.

Die Menschen seien in Deutschland im Alter 'gut versorgt', hatte Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) noch Anfang März bei der Vorstellung des Rentenberichts 2005 der Bundesregierung erklärt, 'sie werden es auch in Zukunft sein'.

Die Fakten sprechen eine andere Sprache. Bis 2030 wird das durchschnittliche Bruttorentenniveau von 48,2 auf 39 Prozent des durchschnittlichen Arbeitnehmereinkommens sinken. Zudem unterliegen die Renten in Zukunft vollständig der Steuerpflicht.

Dass Müntefering dennoch von einer soliden Absicherung für das Alter spricht, liegt an der verschleiernden Darstellung des Rentenberichts der Bundesregierung. Dort werden die Einbrüche beim Niveau der gesetzlichen Rente mit wachsenden Ansprüchen der BürgerInnen aus der betrieblichen und der privaten Altersvorsorge verrechnet.

Ob die ArbeitnehmerInnen aber tatsächlich, wie von der Bundesregierung unterstellt, alle 'riestern', also vier Prozent ihres Einkommens für die Altersvorsorge auf die hohe Kante legen, darf bezweifelt werden.

Das gilt ebenso für die Vermutung des Arbeitsministers, dass die Einkommenszuwächse, die den BürgerInnen in den kommenden Jahren durch die schrittweise Steuerbefreiung der Rentenbeiträge zufliessen, zu 100 % zur privaten Altervorsorge genutzt werden.

Vor allem für Geringverdiener und für die wachsende Zahl der nur sporadisch beschäftigten Menschen rechnet sich die private Vorsorge kaum. Sie werden sich auf ein Rentenniveau einstellen müssen, das auch nach jahrzehntelanger Arbeit kaum über dem Grundsicherungsniveau liegt.

Rentenexperten wie der Frankfurter Sozialökonom Diether Döring warnen schon seit langem, Deutschland stehe bei der Altersicherung vor dem 'Abstieg in die zweite Liga'. Der von der Politik unterstellte Normalrentner, der 45 Jahre lang sozialversicherungspflichtig arbeitet und dabei im Durchschnitt aller ArbeitnehmerInnen verdient, sei wirklichkeitsfremd.

Realistisch seien allenfalls 40 Versicherungsjahre. Wer heute 35 Jahre alt ist, könne nur noch von einem Rentenniveau von 34 Prozent des Durchschnittseinkommens ausgehen. Der DGB warnt deshalb massiv vor weiteren Eingriffen in das Rentensystem.

'Die gesetzliche Rente muss auch in Zukunft bei Versicherten, die ihr Leben lang gearbeitet haben, wesentlich zur Sicherung des Lebensstandards beitragen', fordert DGB - Vize Ursula Engelen - Kefer. Zudem müsse die Rentenversicherung als stärkste Säule der Alterssicherung armutsfest sein.

Dazu bedarf es nach Ansicht des DGB eines 'stärkeren sozialen Ausgleichs für Geringverdiener und für Arbeitslose'. 'Nur wenn für Arbeitnehmer mit langen Versicherungsbiografien die gesetzliche Rente deutlich oberhalb der Grundsicherung liegt, wird die Politik die Menschen dazu motivieren können, zusätzlich privat vorzusorgen.'

Bestätigt sieht sich die stellvertretende DGB - Vorsitzende in ihrer Forderung nach einer armutsfesten Ausgestaltung des Rentensystems durch Untersuchungen zu dessen Akzeptanz. Sie hängt von drei Bedingungen ab: Erstens müssen die Versicherten sicher gehen können, dass die Summe ihrer Rentenzahlungen im Schnitt grösser ist als die Summe der eingezahlten Beiträge.

Zweitens müssen diejenigen, die mehr in das Rentensystem einzahlen als andere, auch mehr an Leistung erhalten. Und schliesslich muss der Rentenanspruch, den der Einzelne durch seine Beitragszahlungen erwirbt, höher sein als die Leistung, die er auch ohne Rentenzahlungen als Grundsicherung erhalten würde.

12.04.06 - Quelle: einblick
 
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