|
|
 |
 |
| Unbändige Energie und Nerven wie Drahtseile |
 |
Leserbrief von Christa Spille, Hauptschullehrerin aus Werlte, als Antwort auf Äusserungen des Kultusministers
Busemann zur Arbeitseinstellung von älteren Lehrern
Bei meiner gebotenen Loyalität meinem obersten Dienstherrn gegenüber kann und will ich die letzten
Äusserungen des Herrn Busemann nicht mehr unwidersprochen hinnehmen.
Ich gehöre der Generation von Lehrern an, die angeblich den Kopf voll mit politischem Müll, lustlos an den
Schulen dieses Landes irgendwie den Vormittag verbringt.
Dazu möchte ich folgendes bemerken: Ich bin seit über 30 Jahren Lehrerin und ich bin es immer noch gern und
mit grossem Engagement, wie die überwiegende Mehrzahl meiner Kolleginnen und Kollegen.
Unsere Arbeit, das Vorbereiten und Unterrichten von im Schnitt 28 Wochenstunden, wird erschwert durch viel zu viele
Schüler in viel zu kleinen Räumen. Einen immer grösseren Raum nimmt Erziehungsarbeit ein.
Beratungsgespräche mit Schülern, Eltern, Berufsberatern, Berufsschulen, Jugendämtern, Einrichtungen
der Jugendhilfe, manchmal auch der Polizei gehören zum normalen Alltag eines jeden Lehrers.
Neben unserer Arbeit bilden wir uns ständig weiter in neuen Unterrichtsmethoden, (natürlich in unserer
Freizeit und auf eigene Rechnung), um uns auf veränderte Schüler einzustellen, aber der uns zur
Verfügung stehende Etat ist zu klein, um die notwendigen Materialien dafür anzuschaffen.
Dazu kommt die Umsetzung der so genannten Schulreform, die unsere Kollegen abzieht an kleinere Schulstandorte,
obwohl wir sie dringend benötigen, um annähernd gleiche Bedingungen für unsere Schüler zu
schaffen.
Daneben entwickeln wir Schulprogramme, pädagogische Konzepte zur Förderung unserer Schüler, Konzepte
zur Suchtprävention, Konzepte zur Konfliktbewältigung und ein Konzept für die Ganztagsbetreuung
unserer Schüler.
Wir bilden Streitschlichter aus und Schülerlotsen, haben drei Schülerläden gegründet, die betreut
werden müssen, wir organisieren die Ausbildungsbörse der Samtgemeinde, Berufspraktika, Praxistage usw. Die
Liste liesse sich endlos fortsetzen.
Jedem Laien dürfte klar sein, dass diese Arbeit nicht mit dem Unterrichtsvormittag beendet ist. Heute Lehrer zu
sein, bedeutet eine Arbeitszeit von mindestens 40 bis 50 Wochenstunden, unbändige Energie, Nerven wie Drahtseile
und nie versiegenden Mut ...
Ich habe es endgültig satt, dass diese Arbeit verunglimpft wird, dass mir vorgeworfen wird, dass ich älter
werde und dass ich für Dinge verantwortlich gemacht werde, auf die ich keinerlei Einfluss habe und die auf
anderen Ebenen falsch gemacht werden.
Und eines sollte Herr Busemann bedenken: Es sind die alten Lehrer, die seine Veränderungen der Schullandschaft
organisiert haben, und den Alten hat er es zu verdanken, dass er sich mit dem reibungslosen Verlauf brüsten kann.
14.09.05 - Quelle: Emszeitung
|
|
 |
| |
|
|
|
|