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Breite Unterstützung für Mitbestimmung
Bei der SPD ist die Haltung eindeutig pro Mitbestimmung. 'Die Mitbestimmung hat Deutschland nicht geschwächt, sondern gestärkt', sagte in dieser Woche Bundeskanzler Gerhard Schröder.

Der nordrhein - westfälische Arbeitsminister Harald Schartau (SPD) argumentierte am Donnerstag, ohne die Mitbestimmung 'wäre der Schlamassel bei Karstadt nicht beseitigt worden'.

In der Tat war es den Arbeitnehmervertretern gelungen, betriebsbedingte Kündigungen bei dem angeschlagenen Konzern auszuschliessen und dadurch 100.000 Arbeitsplätze zu sichern.

DaimlerChrysler - Chef Schrempp: 'Sehr gute Erfahrungen'
Selbst Konzernchefs wie Daimler - Chrysler - Chef Jürgen Schrempp, Porsche - Vorstandsvorsitzende Wendelin Wiedeking und der Vorstandsvorsitzende des börsennotierten Energie - Konzerns ENBW - Chef, Utz Claassen, hatten für die Mitbestimmung geworben und Rogowski kritisiert.

Schrempp sagte in der Zeitschrift 'Stern': 'Alles in allem habe ich mit der Mitbestimmung sehr gute Erfahrungen gemacht.' Nicht nur bei Daimler - Chrysler sondern auch beim Europäischen Luftfahrt- und Raumfahrtkonzern EADS.

'Ich habe es auf der Arbeitnehmerseite insgesamt immer mit sehr kompetenten Menschen zu tun gehabt', sagte Schrempp, 'die mit dem Unternehmen und dessen Erfolg eng verbunden sind.'

Zu dem Vorwurf, wegen der Mitbestimmung könnten gewisse Entscheidungen nicht getroffen werden, sagte Schrempp: 'Das ist schlicht falsch. Denn wenn die Kapitalseite überzeugt ist und den Mut hat, kann sie mit der 2. Stimme des Aufsichtsratsvorsitzenden sehr wohl jede Entscheidung treffen.

'Probleme können nur im Gleichschritt, nicht im Streit gelöst werden'
Auch EnBW - Chef, Utz Claassen, sprach sich für die paritätische Mitbestimmung aus. 'Die künftigen Umstrukturierungsprozesse werden ohne vernünftige Unterstützung der Arbeitnehmervertreter nicht möglich sein', sagte Claasen.

Wer die Aufkündigung der paritätischen Mitbestimmung fordere, habe nicht verstanden, 'dass die Reformprobleme nur im Gleichschritt und nicht im Streit gelöst werden können'.

'Ein geradezu vorbildliches Modell'
Als geradezu 'vorbildlich', lobte Thomas Dieterich, Ex - Präsident des Bundesarbeitsgerichtes das deutsche Mitbestimmungsmodell in der Süddeutschen Zeitung. Die Mitbestimmung habe einen ganz grossen Vorzug, sagte Dieterich.

'Die Arbeitnehmer werden eingebunden und ihre Vertreter sind meistens informierter als die Kapitaleigner. Der Aufsichtsrat ist dadurch stärker verbunden mit dem unternehmerisch - betrieblichen Geschehen.'

Amerikanische Investoren schätzen deutsche Mitbestimmung
Es gebe eine neue Untersuchung darüber, wie amerikanische Investoren die deutsche Mitbestimmung einschätzten, so Dieterich.

Dabei sei herausgekommen: 'Unternehmen, die in stabile, hochqualifizierte Techniken investieren und auf Dauer angelegte Unternehmen betreiben, schätzen die Mitbestimmung, weil sie gewährleistet, dass im Unternehmen Ruhe herrscht und die Belegschaft hochqualifiziert eingebunden ist.'

Was man von den Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat erwarte, so Dieterich, 'wird von denen in der Regel zuverlässig geleistet.' Er habe noch nie gehört, dass die Arbeitnehmervertreter schlecht qualifiziert und reine Abnicker seien.

Plädoyer für mehr Mitbestimmung
Sogar mehr Mitbestimmung, forderte der Professor für Wirtschaftswissenschaften, Heinz - J. Bontrup in der taz. Die Montan - Mitbestimmung sollte in allen Kapitalgesellschaften gelten, die mehr als 1.000 Beschäftigte haben.

Bisher liegt die Grenze bei 2.000 Mitarbeitern. Das deutsche Mitbestimmungsmodell stehe für Kompromiss statt Dissens. Dadurch könnten die Betriebskosten ganz wesentlich gesenkt werden, weil Chefs und Angestellte miteinander und nicht gegeneinander arbeiteten.

Die Behauptung, ausländische Unternehmen würden nicht in D investieren, weil sie die Mitbestimmung fürchteten, wies Bontrup zurück. Das sei in keiner Weise belegt. Im Gegenteil: 'Alle internationalen Grosskonzerne haben Tochtergesellschaften in D.'

Breite Mehrheit für Mitbestimmung in der Bevölkerung
Auch in der Bevölkerung findet die Mitbestimmung in deutschen Unternehmen breite Unterstützung. In einer von der Hans - Böckler - Stiftung in Auftrag gegebenen TNS - Emnid - Umfrage erklärten 82 Prozent der Befragten, die Mitspracherechte der Arbeitnehmer in Aufsichtsräten von AGs sollten nicht verringert werden.

Darüber hinaus wird die Mitbestimmung von einer deutlichen Mehrheit als notwendig, motivationssteigernd und positiv für die Entwicklung der Unternehmen betrachtet. In der TNS - Emnid - Umfrage erklärten 88 Prozent der Befragten, die betriebliche Mitbestimmung steigere die Motivation und Identifikation der Mitarbeiter. Nur 9 Prozent waren anderer Meinung.

Für notwendig halten die Mitbestimmung 86 Prozent. Dass die Mitbestimmung die Entwicklung der Unternehmen positiv befördere, wurde von 85 Prozent der Befragten bejaht. Die Meinungen der Befragten gehen in West und Ost nicht auseinander. Auch Alter oder Schulbildung spielen bei der Einschätzung keine Rolle.

74 Prozent halten Mitbestimmung für Standortvorteil
Auch die Frage, ob Mitbestimmung als Standortvorteil für Deutschland zu sehen sei, wird von einer deutlichen Mehrheit (74 Prozent) mit Ja beantwortet.

Nikolaus Simon, Sprecher der Geschäftsführung der Hans - Böckler - Stiftung, wertet die Umfrage - Ergebnisse als 'eindrucksvollen Beleg dafür, dass sich die Mitbestimmung in den deutschen Unternehmen als unverzichtbarer Bestandteil unserer sozialen Marktwirtschaft bewährt hat'.

Simon wörtlich: 'Wer in der aktuellen Diskussion den Sinn und Zweck der Mitbestimmung in Frage stellt, muss wissen, dass der überwiegende Teil der Bevölkerung den Wert der Mitbestimmung völlig anders einschätzt.'

24.10.04 - Quelle: DGB
 
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