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| Elterngeld statt Erziehungsgeld |
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Bundesfamilienministerin Renate Schmidt hat sich am 10. November zur Familienpolitik geäussert: Sie chattete im
Internet und diskutierte live mit Vertretern skandinavischer Länder.
An Stelle des bisherigen Erziehungsgeldes solle für ein Jahr Elterngeld gezahlt werden, das sich am letzten Lohn
orientiere. Damit, so Schmidt, komme man 'weg von der Fixierung auf immer mehr Geldleistungen, hin zu einer
Familienpolitik besserer Infrastrukturen'.
Die skandinavischen Länder seien für Deutschland beispielhaft, da es nach diesem Modell gelungen sei,
Väter stärker in die Erziehungsarbeit einzubinden und Müttern eine schnellere Rückkehr in die
Erwerbsarbeit zu ermöglichen.
'Durch die Lohnersatzfunktion und einen verbindlichen zeitlichen Anteil für die Väter kommt es zu einer
deutlich höheren Beteiligung der Väter an der Elternzeit', so die Bundesministerin.
Renate Schmidt forderte ein Wahlrecht für die Eltern: 'Kein Mensch soll gezwungen werden, sein Kind nach der
Geburt irgendwo abzugeben. Deshalb will ich ja nicht nur bessere Betreuungsmöglichkeiten, sondern auch
familienfreundliche Arbeitsbedingungen.'
Sie wies darauf hin, dass es in Frankreich und in Skandinavien nicht nur mehr Geburten, sondern auch eine geringere
Kinderarmut gibt.
Voraussetzung für die Rückkehr an den Arbeitsplatz sei aber der quantitative und vor allem qualitative Ausbau
der Kleinkinderbetreuung. Ab 2005 wird damit begonnen. Daher können genauere Pläne zur neuen Elternzeit erst
Anfang 2006 dem Kabinett vorgelegt werden.
Die Familienministerin machte allerdings auch klar, dass der Staat das letzte Einkommen nicht zu 100 Prozent zahlen
könne. Dies sei auf absehbare Zeit nicht finanzierbar. Denkbar sei es - wie am Beispiel der skandinavischen
Länder - dass ein gewisser Prozentsatz vom Staat und der Rest gemäss tariflicher Vereinbarungen vom
Arbeitgeber komme.
Die Ministerin führte aus, dass eine kürzere Ausfallzeit nicht nur den Wünschen der jungen Leute,
sondern auch der Personalplanung entgegenkomme: 'Im internationalen Vergleich haben wir die längsten
Unterbrechungszeiten wegen Kindererziehung.'
Auch liege es im Interesse der Wirtschaft, das Erwerbstätigenpotenzial von Frauen besser auszunutzen und dafür
zu sorgen, dass mehr Kinder geboren werden. Gemeinsame wünschenswerte Position ist es, eine schnelle Rückkehr
von Müttern und Vätern nach der Geburt zu gewährleisten.
'Frauen haben ganz selbstverständlich das selbe Bedürfnis wie Männer: sie wollen ihre guten
Qualifikationen, die heute besser sind als die der Männer, auch beruflich nutzen. Dieses ist nicht rückgängig
zu machen, und ich kenne keine ernsthafte gesellschaftliche Gruppe, die das will.
Wir brauchen die Frauen auch im Arbeitsmarkt, gerade wegen ihrer guten Qualifikationen. Männer hätten niemals
ein Lebensmodell akzeptiert, das ihnen gerade mal ein paar Jahre Erwerbstätigkeit ermöglicht und ihnen dann
sagt, sie hätten doch zu Hause zu bleiben', betonte die Ministerin.
Derzeit liege die durchschnittliche Auszeit der Mutter bei einem Kind in der Regel bei etwa fünf Jahren. Nach mehr
als einem Jahr sei der Wiedereinstieg in qualifizierte Berufe jedoch schwierig.
Deutschland hat eine der niedrigsten Geburtenraten in der EU. Mit den nun von der Bundesregierung eingeleiteten
Massnahmen wird erwartet, dass sich dies ändert. Neben dem Ausbau der Kinderbetreuung sollen dafür
familienfreundliche Massnahmen sorgen.
Denkbar sind Vereinbarungen mit den Unternehmen, sich mit ihren Möglichkeiten für eine familienfreundliche
Arbeitswelt und Unternehmenskultur einzusetzen. Im Mittelpunkt stehen dabei Unternehmenskultur, Arbeitsorganisation,
flexible Arbeitszeiten, Personalentwicklung und familienunterstützende Dienstleistungen. Dafür tritt die 'Allianz
für Familie' ein.
'Vorort muss sich etwas ändern' - so Schmidt. 'Dafür sollen sich die lokalen Bündnisse stark machen. Derzeit
existieren bereits über 100 dieser Bündnisse. Die Kommunen sind verantwortlich dafür, herauszufinden, ob
es an Betreuung fehlt und ob die Öffnungszeiten der Einrichtungen günstig für die Eltern sind.
Die Wirtschaft muss sich darum kümmern, was in den Kommunen familienfreundlicher gestaltet werden kann.'
12.11.04 - Quelle: Regierung online
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