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| Im Patriotismus lassen wir uns von jedem übertreffen |
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... wir fühlen international. In der Heimatliebe von niemand - nicht einmal von jenen, auf deren Namen das Land
grundbuchlich eingetragen ist.
Und so widerwärtig mir jene sind, die - umgekehrte Nationalisten - überhaupt nichts Gutes mehr an diesem
Lande lassen, kein gutes, Haar, keinen Wald, keinen Himmel, keine Welle - so scharf verwahren wir, uns dagegen, nun
etwa, ins Vaterländische umzufallen.
Wir pfeifen auf die Fahnen - aber wir lieben dieses Land. Und so wie die nationalen Verbände über die Wege
trommeln - mit dem gleichen Recht, mit genau dem selben Recht nehmen wir, wir die wir hier geboren, sind, wir, die
wir besser deutsch schreiben und sprechen als die Mehrzahl der nationalen Esel - mit genau dem selben Recht nehmen
wir Fluss und, Wald in Beschlag, Strand und Haus, Lichtung und Wiese; es ist unser Land.
Wir haben das Recht, Deutschland zu hassen, weil, wir es lieben. Man hat uns zu berücksichtigen, wenn man von
Deutschland spricht, uns Kommunisten, junge Sozialisten, Pazifisten, Freheitsliebende aller Grade; man hat uns
mitzudenken, wenn 'Deutschland' gedacht wird - wie einfach so zu tun, als bestehe Deutschland nur aus den nationalen
Verbänden.
Deutschland ist ein gespaltenes Land. Ein Teil von ihm sind wir.
Und in allen Gegensätzen steht unerschütterlich, ohne Fahne, ohne Leierkasten, ohne Sentimentalität und ohne
gezücktes Schwert - die stille Liebe zu unserer Heimat.
Kurt Tucholsky 1929 in seinem (längeren) Aufsatz 'Heimat'
11.12.04 - Quelle: SPD @rtikeldienst
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